Beurteilung eines Sattels


Das Wichtigste am Sattel ist der Baum. Er ist das Grundgerüst, deshalb beginnt die Überprüfung eines Sattels immer mit dem Baum. Zur Überprüfung nimmt man den Sattel auf und hält ihn so vor den Bauch, dass der hintere Sattelrand am Bauch anliegt, die Hände vorne die Sattelkammer festhalten und man von oben auf die Sitzfläche schaut. Nun zieht man den Sattel in der Kammer auf sich zu, als ob man die Sitzfläche durchbiegen wollte. Ein guter Sattel läßt sich hier nur wenig durchbiegen. Ihr müsst Euch vorstellen, dass Euer Gewicht ähnlich wirkt wie der Zug von vorne, nämlich ein Durchbiegen des Sitzes auslöst. Je schwerer ihr seid und je mehr oder je leichter der Sattel sich von Hand durchbiegen läßt, um so mehr wird aus einem Sattel ein reines Sitzkissen, das Euer Gewicht nicht mehr über die komplette Auflagefläche gleichmäßig auf dem Pferderücken verteilt. Falten im Sitz und ein Durchbiegen ohne großen Kraftaufwand sind Alarmzeichen für einen überdehnten oder gebrochenen Sattelbaum.
Als zweites wird das Kopfeisen überprüft. Das Kopfeisen hat die Aufgabe, den Sattel vom empfindlichen Widerrist fernzuhalten und die Breite für den Schulterbereich festzulegen. Es ist das Teil am Sattelbaum, welches am häufigsten bricht. Zur Überprüfung hält man den Sattel genauso wie oben beschrieben, nur dass wir diesmal die Hände etwas an den oberen Anfang der Polsterung legen. Jetzt versucht man, den Sattel in der Kammer auseinander zu biegen, als wollte man ihn für ein breites Pferd im Schulterbereich weiten. Hier darf kein Bewegungsspielraum vorhanden sein. Sollten zudem noch Geräusche auftreten, wie ein leises Knirschen Quitschen oder Knacken, lasst die Finger von dem Sattel. In 99% der Fälle sind diese Geräusche und eine Beweglichkeit in diesem Bereich ein sicheres Anzeichen für ein defektes Kopfeisen. Sättel mit gebrochenen Bäumen gehören auf den Müll, den Pferden zuliebe.

Weiter geht es mit dem Sicherheitscheck. Sind beide Sturzfedern fest am Baum verankert ohne zu wackeln? Läßt sich der Schnäpper am Ende der Sturzfeder, wenn er vorhanden ist, öffnen?. Sind die Bauchgurtstrippen in Ordnung oder Löcher eingerissen? Schaut auch auf die Befestigungsnaht der Strippe und zwar auch von unten, wenn möglich. Fehlende Stiche oder sind losgerissen? Sind alle sichtbaren Nähte in Ordnung oder findet man lose Stiche? Im Kniebereich der Pauschen und am unteren Blattrand der Sattelblätter werden die Nähte mit der Zeit oft weggescheuert. Bei den Steigbügelriemen kontrollieren wir ebenfalls die Löcher, die Nähte an den Schnallen (von beiden Seiten), und wir schauen nach dünnen, schmalgezogenen oder eingerissenen Stellen. Im Gegensatz zu einem defekten Baum lassen sich die meisten anderen Dinge kostengünstig reparieren.

Als nächstes werfen wir einen Blick auf das Polster, von unten versteht sich. Es sollte glatt sein, keine Knubbel haben, nicht brettartig sein und der freie Wirbelsäulenbereich zwischen den Polstern sollte nicht zu schmal sein. Im Idealfall ist er 3-4 nebeneinander liegende Finger breit.
Zum guten Schluß beurteilen wir den Pflegezustand des Sattels. Wie beim Leder können wir einen ausgetrockneten Sattel, der vielleicht sogar schon Risse im Polster hat, auch durch deftigstes Ölen nicht mehr retten. Das Leder sollte sich weich anfühlen bzw. geschmeidig und nicht wie trockenes Papier sein. Schimmel hinterläßt meistens nur stumpfe Flecken. Er ist bei weitem nicht so tragisch wie Trockenheit. Ihm kann man mit Sattelseife und einer gründlichen Reinigung immer zu Leibe rücken.
Wenn der Sattel jetzt auch noch auf euer Pferd passt, kann die Reiterei losgehen.